Employer Branding für die Generation Y: Was wenn die Manager von morgen keine Manager sein wollen?

“Every Magic comes with a price“ warnt Rumpelstilzchen in der aktuell erfolgreichen US- Märchenadaption „Once upon a time“. Alles hat seinen Preis, wo Vorteile auf uns warten, warten immer auch Nachteile, wo etwas Gutes ist, scheint etwas Schlechtes nicht weit zu sein. Eine Entscheidung für oder gegen etwas zu treffen – eine Karriere, ein Lebensmodell – bringt Konsequenzen mit sich. Das wussten die Gebrüder Grimm, das weiß Johann Wolfgang Goethes Götz von Berlichingen, wenn er sagt „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ An sich also nichts Neues. Nur bewusst und offen in Bezug auf die Arbeitswelt gedacht, scheint dieser Gedanke neu zu sein. Der Eintritt der Gen Y in die Arbeitswelt, wirkt auf den ersten Blick freier von gesellschaftlichen Normen und karrierebedingten Vorgaben. Sie wägen das Für und Wider von Karrieren ab. Diese Veränderung treibt Personaler in Unternehmen um und wirft die Frage auf, mit welchen Mitteln das Employer Branding reagieren kann.

Die Generation Y steht vor einer Reihe von Entscheidungen. Das Finden und Einschlagen richtiger Wege bewegt diese jungen Menschen. Ältere Generationen, wie die der Babyboomer und der Gen X, schauen mit ihren Augen, ihren Erfahrungen und ihren Werten auf diese gewählten Wege. Sie bewerten diese anhand ihrer Mindsets. Aus dieser Perspektive können Y-ler oder Millennials dann mitunter feige oder „wählerisch wie eine Diva beim Dorftanztee“ anmuten. Ist man bereit ein Stück in den Schuhen der Millennials zu gehen, versteht man, dass das Hinterfragen von Karrieren ein Ausdruck der Stimmungslage dieser Generation ist. Der Perspektivwechsel offenbart, dass das Lebensgefühl der Gen Y maßgeblich durch ältere Generationen geprägt ist und auf deren gezeichnete Karrierebilder reagiert.

Die Stimme der Generation Y.

In der beschriebenen US-Fantasyserie bewegen sich die Darsteller zwischen Realität und einer Märchenwelt. Verfolgt man Artikel rund um die Generation Y in den Medien und auf Blogs, liegt der Schluss nicht allzu fern, dass es sich bei den Y-lern um Fabelwesen handelt, die ebenfalls in ihrer eigenen, nicht realen Welt leben. Es wird abstrakt über eine Generation geschrieben, deren Zugehörige man nicht zu verstehen scheint und doch selbst erzogen hat. Stellenweise kann sich das fast wie eine Bedrohung lesen, die auf den Arbeitsmarkt zukommt. In Gefahr geraten zu sein scheint ein System, das vorgibt wie Karrieren ablaufen und was gute Mitarbeiter auszeichnet.

Was der Diskussion bis jetzt fehlt, ist die Stimme der Gen Y. Um sie zu verstehen, muss man ihr zuhören. Einen ersten Schritt macht dabei Thorsten Reiter mit seinem Blog Generation That’s Y. Als Vertreter der Y-ler gibt er stellvertretend für seine Generation Antworten.
In den letzten zwei Jahren hatte ich dank verschiedener Marktforschungsstudien immer wieder die Gelegenheit mit jungen Menschen zu sprechen und mir ihre Sichtweisen beschreiben zu lassen. Mal mit dem Schwerpunkt der Generationenentwicklung, mal als mögliche Auszubildende für eine Krankenversicherung, mal als potenzielle Kunden für einen Getränkehersteller oder Telekommunikationsanbieter – alle Auftraggeber haben sich gefragt, was bewegt diese junge Generation und wie können wir auf sie reagieren. Der Tenor in den Gesprächen war vom Grundsatz her ähnlich.

Eine Wahl zu treffen hat ihren Preis.

Was die Gen Y immer wieder hört ist, „ihr habt es so gut wie keine andere Generation, ihr könnt euch frei entscheiden welches Lebensmodell ihr leben wollt, welchen Job ihr ausüben möchtet, ob ihr Kinder wollt oder nicht.“ Was von außen betrachtet super klingt, denn die Welt steht dieser Generation offen, der Selbstverwirklichung steht nichts mehr im Wege, was gibt es da noch für Probleme, das kann aus Sicht der Gen Y schlichtweg überfordernd wirken, denn es gilt, sich aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zu entscheiden. Man ist sich bewusst, dass eine eigene Entscheidung zu treffen heißt, deren positive wie auch negative Konsequenzen eigenverantwortlich zu tragen. Das Richtige für einen scheint nur um die Ecke zu warten. Oder doch nicht? Z. B. wenn eine Entscheidung immer auch verpasste Chancen beinhaltet, wie es Nina Pauer in ihrem Buch „Wir haben keine Angst. Gruppentherapie einer Generation.“ beschreibt. Gleichzeitig ist das Ausloben der Freiheit, eine Aufforderung an die Millennials diese zu nutzen. Ältere Generationen haben den Y-lern den Weg geebnet und sie gut ausgebildet. Eine Kohorte von Revoluzzer sind die Millennials nicht. Das können sie und müssen sie auch nicht mehr sein. Jetzt liegt es an ihnen etwas aus den gegebenen guten Startbedingungen zu machen.Was aber wenn die nicht wollen? Jede Entscheidung hat ihren Preis in der Verantwortung für sich selbst und in der Auswirkung für andere. Wer alles werden kann, soll auch etwas werden. Wer alle Wahlfreiheit hat und eine Entscheidung trifft, wählt vielleicht einen Weg, der nicht der Norm entspricht. Das kann Personaler vor eine Probe stellen. Wenn kein Verständnis darüber besteht, weshalb bestehende Muster im beruflichen Werdegang über den Haufen geworfen werden sollen. Wenn nicht verstanden wird, weshalb sich ein Teil einer Generation dem Karrierestreben zu entziehen scheint.

Ist das Video und der Song „Zu jung“ von Kraftklub typisch für das Lebensgefühl der Generation Y?
„Unsre Eltern kiffen mehr als wir, wie soll man rebellieren? Egal wo wir hinkommen, unsre Eltern warn schon eher hier. Wir sind geboren im falschen Jahrzehnt. Und wir sitzen am Feuer, hören zu was die Alten erzählen.“

Eine Karriere nach alten Mustern hat ihren Preis.

Was also veranlasst diese Generation Karrieremodelle anzuzweifeln und sich zu überlegen, ob man sich über eine 60-Stundenwoche definiert? Welchen Preis sind sie bereit zu zahlen für den Zauber von Verantwortung und ein hohes Gehalt? Und wie entsteht die Wahrnehmung dieses Preises?

Ins Rollen gebracht wird die Abkehr von alten Karrieremodellen und das Einfordern neuer Wege durch diesen Gedanken: Ist das, was ich durch ältere Generationen vorgelebt bekomme, auch das was ich für mich möchte? Die Gen Y wird in ihrer Meinungsfindung dabei durch die Erzählungen der Eltern und des Umfelds beeinflusst. Durch ein Bild von Jobs, das gesellschaftlich skizziert wird und das geprägt ist von zu wenig Zeit für sich und die Familie. Durch ein Bild, in dem Angestellte selbstverständlich die Arbeit von zwei erledigen sollen. Durch ein Stimmungsbild in Zeitschriften und Magazinen, die wöchentlich im Wechsel über Burnout schreiben. Aktuell heute Morgen berichten u.a. Spiegel Online und die Süddeutsche von der Zunahme atypischer Arbeitszeiten. Dort liest man von psychischen Belastungen durch Überstunden und Schichtarbeit oder „vom Psychostress, der eine tickende Zeitbombe in der Arbeitswelt ist“.

Die Gen Y ist keine Generation der Arbeitsverweigerer. Man sollte ihnen das Bewusstsein, dass Leistung zu bezahlter Arbeit dazu gehört, nicht absprechen. Sie stellen für sich lediglich Bedingungen in Frage, um Fehler früherer Generationen zu vermeiden. Damit sie sich nicht wie „ein Hamster im Rad“ fühlen müssen oder wie „ein kopfloses Hühnchen, das durch den Alltag rennt“. Schlussfolgerungen daraus können sein, wie eine „Diva“ Kinderbetreuungsplätze einzufordern. Nichts frevelhaft an einer 35 Stundenwoche zu finden, die Raum lässt für die viel umschriebene Work-Life-Balance. Die können zu der Überlegung führen, was man bereit ist für Arbeitgeber und Branchen zu geben, die selbst keine Beständigkeit in einer Arbeitgeber- und nehmerbeziehung versprechen können. Eine Beständigkeit, die mit Jahresverträgen und durch Karrierepläne so auch gar nicht vorgesehen und vorgelebt wird. Warum also einem Unternehmen gegenüber loyal sein, sich einer Branche verpflichten und das eigene Leben hintenanstellen? In den Worten eines jungen Mannes aus der Gen Y heißt das dann: „Meine Branche wird mich nicht im Altenheim besuchen wenn ich alt bin, wieso soll ich mehr darauf setzen, als das was es ist – ein Gelderwerb.“ Auch Thorsten Reiter fragt sich auf seinem Blog, soll man wie ein Klon „für einen lückenlosen Lebenslauf“ leben, nur damit man keine Brüche in einem Vorstellungsgespräch vermarkten muss? Es geht um das eigene Leben, das man führen will, das man mit Leben und Erfahrungen füllen möchte und die Frage welcher berufliche Werdegang einen persönlich glücklich machen kann.

Unterschiede zwischen Generationen wird es und hat es immer gegeben. Über die Jahrgänge hinweg gibt es einen Generationenvertrag, der je nach Lebensphase vorsieht solidarisch für einander zu sorgen. Dumm nur, wenn ältere Generationen jungen Generationen ihren Anteil schon im Vorfeld absprechen. Rente für euch Millennials? So gut wie keine mehr. Die Zukunft des Euros? Ungewiss, die nächste Wirtschaftskrise wartet aber bestimmt auf euch. Umwelt und Ressourcen? Auch schwierig, der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen und das Wasser wird knapp. Es geht nicht darum, dass eine Generation die Augen vor Problemen verschließt. Motivierend kann dieses Zukunftsbild allerdings auch nicht wirken. Ähnliches gilt in Richtung Karriere gedacht. Wenn jungen Berufseinsteigern quasi schon vor Beginn der Karriere ein Burnout prophezeit wird, muss man sich vielleicht nicht wundern, wenn sie sich gegen eine solche entscheiden.

Autorin: Katharina von Janczewski